Es ist wohlbekannt, dass die Sarmaten mehrere Jahrhunderte lang eine der wichtigsten politischen und militärischen Kräfte in den nordpontischen Stpepen und jenen östlich des Don bildeten. Sie spielten auch in der Geschichte des ostkarpatischen Raumes in den ersten Jahrhunderten n. Chr. eine bedeutende Rolle. Beginnend mit dem 1. Jh. n. Chr. bildeten die Sarmaten zusammen mit den Geto-Dakern, mit denen gemeinsam sie die ostkarpatischen Gebiete bewohnten und sich gegenseitig beeinflussten, die wichtigste politisch-militärische Kraft der Gegend und ein Hindernis für die römische Expansion.
Dio Cassius berichtet, dass der Konsul consulul L. Tarius Rufus im Jahre 16 v. Chr. die Sarmaten, die den Fluss überquert und die römischen Gebiete angegriffen hatten, zurückschlug und auf das linke Donauufer verjagte. Dieser Bericht hält einerseits eines der ersten Treffen zwischen Sarmaten und Römern fest, andererseits erwähnt er die Sarmaten in den letzten Jahren v. Chr. weit im Westen.
Derselbe Autor berichtet, dass während des Aufstandes in Pannonien und Dalmatien A. Caecina Severus, der Befehlshaber der römischen Armee in Moesien, der im Jahre 6 n. Chr. gegen die Illyrier und Pannonier kämpfte, nach Moesien zurückkehrte, wo die Daker und Sarmater eingefallen waren. Seinerseits zeigt Florus, der sich auf die Ereignisse in den ersten Jahren des 1. Jh. n. Chr. bezieht, dass ein römischer Feldzug unter Cn. Cornelius Lentulus gegen die Sarmaten an der Donau geführt wurde. Die ständige Gefahr seitens der Sarmaten zu Beginn des 1. Jh. n. Chr. wird von Ovidius beschrieben, der die Sarmaten als eine konstante Präsenz an der unteren Donau bereits im ersten Jahrzehnt des 1. Jh. n. Chr. beschreibt.
Wegen der ständigen Angriffe, die zu Beginn des 1. Jh. n. Chr. am linken Donauufer von den Dakern und Sarmaten unternommen wurden, erhielt L. Pomponius Flaccus ein Kommando an der unteren Donau; dank der Maßnahmen, die er ergriff, wurde das schreckliche Donauufer wieder sicher.
Die sarmatischen Einfälle in römisches Land wurden, wenn auch mit geringerer Intensität, auch in den folgenden Jahren fortgesetzt. Einen bedeutenden Bericht in diesem Sinne gibt es in dem Kaiser Tiberius gewidmeten Buch in Suetons Leben der Cäsaren. So erfährt man aus einer Stelle, dass Moesien, als er die Staatsgeschäfte aufgab, von den Dakern und Sarmaten verwüstet wurde.
Gewiss ist es, dass die Angaben der antiken Quellen über die Zeit am Ende des 1. Jh. v. Chr.- Anfang des 1. Jh. n. Chr. eine Zunahme des Druckes der Sarmaten auf die östlichen Grenzen des Reiches, aber auch ihr sehr schnelles Vorrücken nach Westen festhalten.
Das Niederlassen der Sarmaten im nordwestpontischen Bereich entspricht der Ausdehnung der römischen Grenzen bis zur unteren Donau. Diese Nachbarschaft beschaffte der römischen Welt einen schlimmen Feind, der sich im Laufe des gesamten 1. Jh. n. Chr. und dem Anfang des nächsten voll spürbar machte.
Für das 1. Jh. n. Chr. kann die Bewegung der sarmatischen Stämme am besten in Plinius d. Ä. Naturalis historia verfolgt werden, die im nordpontischen Bereich die Sarmaten, Roxolanen, Aorsen, Alanen (4, 80) und Siraken (4, 83) erwähnt. Außer den Aorsen und Siraken nennt Plinius unter den Neuankömmlingen im Norden des Schwarzen Meeres auch die Alanen, die die Hauptursache der Bewegung der Sarmaten nach Westen darstellten. Die Alanen werden für diese Zeit und Gegend auch von Seneca und Lucan erwähnt.
Einen Beweis für die globale Bewegung der Sarmaten nach Westen bildet auch die Niederlassung der iazygischen Sarmaten in der Pannonischen Tiefebene, wo sie wahrscheinlich kurz vor 50 n. Chr. eintrafen.
Eine der Quellen, die sich auf die Sarmaten in nordwestpontischen Bereich bezieht, ist die Tiburtiner Inschrift, die die Laufbahn des Tiberius Plautius Silvanus Aelianus umfasst, darunter sein Amt als Legat der Provinz Moesien zwischen 57/60 - 67 n. Chr.
Im Zusammenhang der römischen Politik dieser Zeit müssen einige Details hervorgehoben werden, die besondere Bedeutung aufweisen. Es muss präzisiert werden, dass die gesamte Tätigkeit des Aelianus auf Sarmaten ausgerichtet war, die keinesfalls Roxolanen waren. Wir sind der Ansicht, dass die Benutzung der Bezeichnung "Sarmaten" zu unterstreichen beabsichtigt, dass es sich um andere sarmatische Völkerschaften als die Roxolanen handelt. Übrigens wird in der Inschrift deutlich gesagt, dass Aelianus "bis dahin uns unbekannte oder dem römischen Volke feindliche Könige an das Donauufer brachte". Soweit aus den Informationen antiker Autoren, aber auch aus archäologischen Funden bekannt ist, konnten die Roxolanen nicht jene Unbekannten sein, aus dem einfachen Grund, dass sie bereits seit der ersten Hälfte des 1. Jh. n. Chr. in der Nähe der römischen Grenzen lebten. Mehr noch, die Tatsache, dass dem Roxolanenkönig die Söhne zurückgeschickt wurden, zeigt, dass die Roxolanen eine spezielle Beziehung zu den Römern hatten und dass sie nicht jene Sarmaten sein konnten, die sich gegen die Römer erhoben. Den Römern wohlbekannt, sowohl als Verbündete als auch als Feinde, waren auch die aortischen und sirakischen Sarmaten. In Anbetracht des sarmatischen Zuges nach Westen, der Berichte der Autoren und der archäologischen Gegebenheiten, sind wir der Ansicht, dass die unbekannten Könige und die Sarmaten, deren aggressive Absichten zunichte gemacht wurden, wahrscheinlich die Alanen waren.
All diese Ereignisse fanden in der Nähe der Provinzgrenzen statt, am unteren Donaulauf, denn so ist der Ausdruck "per quem pacem provinciae et confirmavit et protulit".zu verstehen. Wir sind der Ansicht, diesem Ausdruck die Widerspiegelung der römischen Politik der Ausweitung der unsichtbaren Grenzen des Reiches entnehmen zu können. Denn dies sind im Grunde die Schlussfolgerung und die Erklärung des Zweckes der Tätigkeiten, die in der Inschrift beschrieben werden.
Sicher ist, dass die Angaben dieser Inschrift noch einmal das Eindringen neuer sarmatischer Stämme in das Nordwestgebiet des Schwarzen Meeres bestätigen, das auch in den literarischen Quellen festgehalten wurde.
Eine weitere epigraphische Quelle ist das 1984 in Mangup (Krim) entdeckte Inschriftfragment. Die Untersuchung des Textes ergab, dass der Stein von Olbia stammt. Aus der Inschrift erfährt man, dass ein Bürger Olbias einen diplomatischen Auftrag zu den Statthaltern Moesiens (Sabinus) und Aelianus übernahm. Während er sich auf diesem diplomatischen Auftrag in Moesien befand, begannen die Bewegung der Sarmaten und der Krieg. Er unterrichtete den Statthalter, dass ihm die schwierige Situation bekannt war und schloss ein Bündnis mit Rom.
Aus den darauffolgenden erhaltenen Zeilen der Inschrift ist zu erfahren, dass dieselbe Person auch einen diplomatischen Auftrag zu Umabios und den Großkönigen Aorsiens übernahm.
Diese Ereignisse und der Krieg sind dieselben wie die Unterdrückung der aggressiven Absichten der Sarmaten im Jahre 62 n. Chr., die in der Tiburtiner Inschrift erwähnt werden. Mehr noch, die Erwähnung des Landes der Aorser, sowie der Name Umabios, aber auch der Ausdruck Großkönige Aorsiens, beweisen noch einmal, dass wir es in dieser Zeit mit einer Bewegung der sarmatischen Stämme nach Westen zu tun haben, die eine Destabilisierung der Lage im nordwestpontischen Gebiet verursachte.
Der bemerkenswerten Statthalterschaft des Tiberius Plautius Silvanus Aelianus gelang es nicht, die sarmatische Gefahr an der unteren Donau auszuschalten. So überqueren die roxolanischen Sarmaten im Winter 67/68 n. Chr. die Donau und vernichten zwei römische Kohorten. Im nächsten Winter plündern die roxolanischen Kataphraktare, 9000 an der Zahl, Moesien, vom Bürgerkrieg in Rom nach dem Tode Neros profitierend. Im Herbst 69 n. Chr. konnten es sich die Daker wegen der Lage im Reiche ebenfalls leisten, Moesien anzugreifen. Im Winter 69-70 n. Chr. fand ein neuer sarmatischer Angriff auf Moesien statt, selbst der Statthalter der Provinz, Fonteius Agrippa, wurde getötet. An seine Stelle wurde Rubrius Gallus geschickt, dem es mit großer Mühe gelang, den Krieg zu beenden und Ordnung wiederherzustellen.
Nach dem Ende des Bürgerkriegs in Rom durch den Sieg Vespasians, aber auch wegen der Schwierigkeiten in der Organisierung der Verteidigung an der unteren Donau wurde das Verteidigungssystem an der Donaugrenze umorganisiert. In dieser Zeit wurden sehr wahrscheinlich auch die politisch-diplomatischen Beziehungen zwischen Römern und Barbaren an der unteren Donau geregelt, darunter auch die Sarmaten. Die ergriffenen Maßnahmen führten zu einer friedlichen Zeitspanne an der Donaugrenze des Reiches. Diese dauerte bis zum Jahre 85 n. Chr., als die Daker die Provinz Moesien angriffen und den Römern schwere Schläge zufügten. Der Ernst der Lage wird von Tacitus hervorgehoben, der behauptet, dass die Lager der Legionen und selbst die Herrschaft über die Provinzen in Gefahr waren.
An diesen Konflikten zwischen Römern und Dakern nahmen die Sarmaten im nord- und nordwestpontischen Bereich nicht teil. Auch für die folgenden Jahre gibt es keine Zeugnisse für Kämpfe mit den Sarmaten in diesen Gebieten. Sehr wahrscheinlich hatten diese Sarmaten "Verträge" mit dem Reich, von dem sie Subsidien erhielten. Nur die iazygischen Sarmaten, die die Pannonische Tiefebene bewohnten, hatten Konflikte mit den Römern zwischen 89 und 92 n. Chr.
Zehn Jahre nach den Ereignissen von 92 n. Chr., an denen auch die Iazygen teilhatten, nahmen die roxolanischen Sarmaten, die die nord- und nordwestpontischen Steppen bewohnten, am ersten dakisch-römischen Krieg als Verbündete der Daker teil. Einen Beweis in diesem Sinne bilden mehrere Szenen auf der Trajanssäule, in denen roxolanische Reiter dargestellt werden (XXXI-XXXIII), sowie die Inschrift von Adamclisi (Tropaeum Traiani), in der die Sarmaten erwähnt werden [devicto exerc]itu D[acorum et Sarmata]rum.. Der Angriff der Daker und Roxolanen fand im Winter 101-102 n. Chr. statt und bestand in einem Angriff auf die römischen Garnisonen in den Lagern Niedermoesiens. Die Invasion der antirömischen Kräfte endet katastrophal, der Sieg gehört den römischen Truppen unter dem Kommando von Trajan persönlich.
Zum Unterschied von den roxolanischen Sarmaten, die mit den Dakern verbündet waren, nahmen die iazygischen Sarmaten eine neutrale Haltung ein. In diesem Sinne sind die Informationen Cassius Dios aufschlussreich, der angibt, dass die Iazygen im ersten Kriege neutral waren, was für die Römer von Vorteil war.
An den Kämpfen des zweiten dakisch-römischen Krieges nahmen die roxolanischen Sarmaten nicht teil. Es ist nicht ausgeschlossen, dass dies auf die Bezahlung von Stipendien seitens der Römer vor dem zweiten dakisch-römischen Krieg zurückzuführen ist. Diese Maßnahme der römischen Diplomatie bezweckte die Versicherung ihrer Neutralität, aber auch die Verhinderung der Roxolanen, Angriffe auf das Reich auszuüben.